15.05.2012: Fortuna Düsseldorf - Hertha BSC Berlin - 2 : 2 (1 : 1)

ESPRIT arena, Arena Straße 1, 40474 Düsseldorf

Tore: 1:0 Beister (1.), 1:1 Ben-Hatira (22.), 2:1Jovanovic (59.), 2:2 Raffael (85.)

Zuschauer: 51.000 (ausverkauft)

Food: Wieder mal die leckere Käse-Schinken-Stange

   

„Tage wie diese / ich wart‘ seit Wochen auf diesen Tag / und tanz vor Freude über den Asphalt / als wär's ein Rythmus, als gäb's ein Lied / das mich immer weiter durch die Straßen zieht / komm‘ dir entgegen, dich abzuholen, wie ausgemacht / zu derselben Uhrzeit, am selben Treffpunkt, wie letztes Mal / durch das Gedränge der Menschenmenge / bahnen wir uns den altbekannten Weg / entlang der Gassen zu den Rheinterrassen / über die Brücken, bis hin zu der Musik / wo alles laut ist, wo alle drauf sind, um durchzudrehen / wo die Anderen warten, um mit uns zu starten, und abzugehen….“ Kinders, aber doch nicht, bevor der Schiri die Partie abpfeift!

       

Aber jetzt mal ganz von vorne: nach einer überragenden Hin- , gefolgt von einer verkorksten Rückrunde, fand sich die Fortuna - für viele überraschend - am Ende der Saison doch noch auf Platz 3 wieder und fuhr als Außenseiter zum ersten Relegationsspiel zu Tante Hertha und Onkel Otto nach Berlin. Da allerdings spielte man die wahrscheinlich beste zweite Hälfte der letzten Jahre, gewann letztlich sogar verdient mit 2:1 und konnte an diesem Abend schon mit einem Unentschieden nach 15 langen Jahren endlich wieder in die 1. Bundesliga zurückkehren. Kurzzeitig sah es sogar so aus, als ob „dieser Tag“ ohne mich stattfinden würde, kam die erlösende, positive Info zum ersehnten Ticket erst ungefähr fünf Stunden vor dem Spiel (Sveniiii – Dankeee). Und dieses sollte in die deutsche Fußballgeschichte eingehen. Und das nicht nur, weil das erste Tor für die Fortuna durch Beister bereits nach 26 Sekunden fiel und ich noch nie so schnell so nass war. Und das noch klebrig...

Richtig interessant wurde es nämlich erst am Ende. Denn da stand es nach weiteren Toren von Jovanovic für die Fortuna sowie Ben-Hatira und Raffael für die Hertha, einer roten Karte für den Berliner Ben-Hatira, das Ganze garniert mit einigen Unterbrechungen nach diversen pyrotechnischen Einlagen beider Lager 2:2 und Schiedsrichter Stark entschied sich für eine Nachspielzeit von sieben Minuten! Kurz vor Ablauf dieser Nachspielzeit, die die Fortuna mit Glück unbeschadet überstand, stürmten die Anhänger der Fortuna, wohl im Glauben, dass die Partie zu Ende sei, den Platz. Chaos und Tumult beherrschten die nächsten Minuten, Referee Stark und wenig später alle Akteure verschwanden in den Katakomben. Ordner und Polizei räumten das Spielfeld, nachdem bereits das eine oder andere Souvenir einen neuen Besitzer gefunden hatte und der Stadionsprecher verkündete letztlich zwei weitere Minuten Nachspielzeit. Die fanden dann nahezu 20 Minuten später statt, ehe Stark endgültig abpfiff. Die Fans stürmten erneut den Platz, die Berliner - wohl nur widerwillig nochmals aus der Kabine gekommen - bestürmten den Schiedsrichter und das Chaos nahm seinen Lauf… Hertha legte Protest ein, dieser wurde Wochen später zweimal abgelehnt, mehrere Spieler der Hertha wurden wegen Beleidung und Angriff auf den Schiedsrichter bestraft, die Fortuna erhielt ein Platzsperre für die kommende Saison und stieg letztlich doch endlich auf. Die Hertha hingegen muss – trotz Todesangst – zum sechsten Mal aus der Bundesliga absteigen. Was für ein geiler Abend. Oder einfach gesagt: Spiele wie diese...

       

Die kühle und unpersönliche Düsseldorfer ESPRIT arena (bis 2009 LTU arena) entstand für rund 218 Millionen Euro an Stelle des alten Rheinstadions und wurde offiziell am 18. Januar 2005, mit einem Spiel der Düsseldorfer Fortuna gegen den FC Bayern München, eingeweiht. Die Multifunktionsarena besitzt ein schließbares Dach, zwei Videowände - die nach meinem Empfinden allerdings zu hoch unter dem Dach angebracht sind - und eine Heizanlage, die auch bei Außentemperaturen von bis zu -5° C eine Innentemperatur von mindestens 15° C ermöglicht. Bei Fußballspielen beträgt das Fassungsvermögen inzwischen maximal 54.600 Zuschauer, darunter auch 9.917 Stehplätze, die zur Saison 2010/11 durch den Umbau von Sitz- in Stehplätze im Heim- und Gästebereich entstanden. Da die volle Auslastung gerade in den ersten Jahren durch die aktuellen Nutzer nur recht selten erreicht wurde, hat man sich etwas ganz Spezielles einfallen lassen: Die Sitze in der Arena sind nur scheinbar unsortiert in verschiedenen bunten Farben angebracht. Tatsächlich beruht die Verteilung der farbigen Sitzschalen auf einem exakten Plan des Architekten. Das hat zur Folge, dass das Stadion auch bei mäßig besetztem Publikum in einer Fernsehübertragung einen gut gefüllten Eindruck macht (z.B. beim unattraktiven Ligapokal…). Merkwürdig sind übrigens die Aufgangstreppen im Unterrang, welche - obwohl die Traversen das Standardmaß von 80 cm Tiefe und 40 cm Höhe aufweisen - nicht eine, sondern zwei Zwischenstufen haben. Nicht nur bei großen Füßen mehr als irritierend. Aufgrund der Modernisierung der BayArena trug neben dem Team der Fortuna übrigens auch die "Werkself" von Bayer 04 ihre Rückrundenspiele der Saison 2008/09 hier aus.

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