29.07.2011: Rot-Weiss Essen - 1. FC Union Berlin - 6 : 5 i.E. (1 : 0, 2 : 2)

Georg-Melches-Stadion, Hafenstraße 97a, 45356 Essen

Tore: 1:0 Brauer (22.), 2:0 Koep (71.), 2:1 Zoundi (82.), 2:2 Terodde (90.+1)

Zuschauer: 12.701

Food: Heute mal wieder die klassische Bratwurst im Brötchen - lecker...

       

Der Pokal hat seine eigenen Gesetze (drei Euro ins Phrasenschwein…). Und kaum irgendwo passt dieser Satz besser, als an der Hafenstraße in Essen. Wenn dann noch jemand das Flutlicht anmacht, wird die Ruine mit Ihren aktuell 4.000 Sitz- und 11.000 Stehplätzen - trotz nur 2,5 Tribünen und der wieder auferstandenen Westkurve - zum Hexenkessel. Und das bekam heute auch der Zweitligist Union Berlin zu spüren. Denn in einem guten und zum Schluss dramatischen Match bezwang der Underdog aus der vierten Liga den 1. FC Union Berlin am Ende vollkommen verdient mit 6:5 nach Elfmeterschießen. So weit hätte es aber gar nicht kommen müssen, denn RWE sah schon während der regulären Spielzeit wie der sichere Sieger aus und ließ sich den totalen Triumph erst in den letzten Sekunden der regulären Spielzeit noch aus der Hand nehmen. Und da sich beide Mannschaften in der Verlängerung dann neutralisierten, musste schließlich die Entscheidung vom Elfmeterpunkt fallen. Mit dem besseren Ende für Rot-Weiss Essen. RWE, Hafenstraße und Pokal – einfach geil...

Elfmeterschießen: Lamczyk hält gegen Terodde, 1:0 (Jasmund), 1:1 (Menz), Rodenberg verschießt, Lamczyk hält gegen Ede, 2:1 (Brauer), 2:2 (Silvio), 3:2 (Heppke), 3:3 (Karl), 4:3 (Wagner)

       

Der Sportplatz an der Hafenstraße - das heutige Georg-Melches-Stadion - ist seit 1939 die Heimat von Rot-Weiss Essen. Im Krieg fast vollständig zerstört, wurde das Stadion durch freiwillige Helfer mittels Schüppe und Hacke wieder hergestellt. 1956 erhielt es die erste Flutlichtanlage Deutschlands und die heute noch existierende Haupttribüne. Diese galt damals als eine der ersten modernen Tribünen in Europa und besaß in den 50er Jahren Vorbildcharakter für viele andere Stadien (nahezu komplett überdacht, mit Sauna und Fitnessbereich, Schwimmbad, medizinischer Abteilung etc.). 1964 wurde es dann nach Georg Melches, dem Mitgründer von Rot-Weiss Essen, benannt. Bis zur Saison 2008/09 fasste es 21.500 Zuschauer (4.000 überdachte Sitz- und 17.500 überdachte Stehplätze), die sich auf nur drei Tribünen verteilten, da die alte Westkurve – eigentlich die Heimat der Rot-Weiss-Fans - aufgrund von Baufälligkeit bereits in den 90ern abgerissen wurde. Am Samstag, den 8. August 2009 - kurz vor der anstehenden Kommunalwahl (ein Schelm, wer hier einen Zusammenhang vermutet) - gab Essens damaliger Oberbürgermeister Dr. Wolfgang Reiniger dann nach jahrelangem hin und her endlich den symbolischen „Anstoß zum Neubau“ eines neuen Fußball-Stadions. Gleichzeitig starteten die Arbeiten des ersten Bauabschnitts mit dem Abbruch von Teilen der Nordtribüne, eines Flutlichtmastes und dem Rückbau der Trainingsplätze. Danach war in einem zweiten Bauabschnitt der Neubau von Haupt-, Gegen-, Gasttribüne, Funktionsgebäude und Spielfeld des neuen Stadions neben dem bestehenden Stadion geplant. Doch viel mehr passierte nicht, denn die Bauaktivitäten wurden aufgrund einer von der Bezirksregierung über die Stadt Essen verhängten Haushaltssperre eingestellt. Der Spielbetrieb in der Regionalliga musste mit den verbliebenen 2,5 Tribünen auf der bestehenden maroden Anlage weitergeführt werden, die Volksseele kochte und nicht wenige vermuteten, dass sich dieser Zustand auch auf absehbare Zeit nicht mehr ändern würde. Besonders nach der Insolvenz und dem damit verbundenen Zwangsabstieg in die NRW-Liga am Ende der Saison 2009/10. Aber dank eines umfangreichen Sparpakets bekam die Stadt von der Bezirksregierung Ende August 2010 wieder grünes Licht zur eigenständigen Aufnahme von Krediten und am 26. Oktober erteilte der Rat mit großer Mehrheit den endgültigen Segen zum Bau der neuen RWE-Heimat. In rund 30 Monaten Bauzeit entsteht nun endlich ein neues Stadion mit 11.300 Sitz- sowie 9.000 Stehplätzen, 1.000 Business-Seats und 290 Logenplätzen, das bei Bedarf in zwei weiteren Bauabschnitten (Schließen der Ecken & Aufsetzen eines zweiten Ranges) auf 35.000 Zuschauer erweitert werden könnte. Die offizielle Übernahme durch den Generalunternehmer Köster (auch verantwortlich für den Bau der BayArena in Leverkusen) erfolgte am 13. April 2011 und der Umzug von der „Ruine“ in das neue Schmuckkästchen ist für den Beginn der Saison 2012/13 geplant. Mit den Arbeiten an der Entwässerung ging es aber bereits zum Ende des letzten Jahres los, danach folgte der Bau der neuen Zufahrt und aktuell laufen die Arbeiten an den Fundamenten und am Funktionsgebäude der zukünftigen Haupttribüne.

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